Ein volles Haus ist besser als zwei halb leere



Einweihung: Die Jakob-Kaiser- und die Karl-Arnold-Stiftung arbeiten unter einem Dach

 

Monat: 01/2002 Quelle: Bonner Generalanzeiger

 

 

Königswinter. Im Adam-Stegerwald-Haus in der Königswinterer Altstadt ist zusammen gekommen, was nach Ansicht aller Verantwortlichen zusammen gehört: Seit Anfang des Jahres ist der Sitz der Jakob-Kaiser-Stiftung auch die neue Heimat der Karl-Arnold-Stiftung. 40 Jahre lang war die Bildungseinrichtung in Bad Godesberg angesiedelt. Wirtschaftliche und politische Gründe haben jetzt den Umzug auf die andere Rheinseite erforderlich gemacht. Mit der Einweihung des Karl-Arnolds-Saals wurde der Neubeginn am Freitagmittag offiziell eingeläutet.

 

"Wir passen einfach zusammen." Da sind sich Walter Priesnitz, Vositzender der Jakob-Kaise-Stiftung, und Bernhard Worms von der Karl-Arnold-Stiftung einig. Beide Einrichtungen hätten sich der christlichen Gewerkschaftsarbeit und der christlich sozialen Idee verschrieben. "Ich bin froh, dass wir jetzt hier gemeinsam wirken", unterstrich Priesnitz. Die Devise lautet: getrennt marschieren, gemeinsam Erfolg haben. Beide Stiftungen werden ihre Selbstständigkeit bewahren, wollen aber als Partner eng zusammen arbeiten und gemeinsam etwas bewegen. "Wir wollen das, was unsere Mütter und Väter gesät haben, nämlich die Werte bezogene Demokratie, weiter geben an nachfolgende Generationen", erklärte Worms.

 

Mit dem Umzug kehrt die Karl-Arnold-Stiftung an ihre Geburtsstätte zurück: Sie wurde 1959 in Königswinter gegründet. In den vergangenen 40 Jahren residierten die zwölf Mitarbeiter in Bad Godesberg in einem Gebäude, das der Konrad-Adenauer-Stiftung gehörte. Nach dem Regierungsumzug sank die Auslastung des 84 Betten-Hauses auf 40 Prozent. "Weil die Besuchergruppen jetzt eher nach Berlin als nach Bonn fahren, haben wir fast die Hälfte unserer Übernachtungsgäste verloren, berichtet der Leiter der Stiftung, Jürgen Clausius. Bevor man Gefahr lief, rote Zahlen zu schreiben, wurde nach Alternativen gesucht. "Wir haben nicht eine Minute darüber nachgedacht, nach Berlin zu gehen", betont Worms und verweist auf die Wurzeln der Bildungsstätte, die im Rheinland liegen: "Die Stiftung war das Werk der alten rheinischen CDU." Auf Seiten der Jakob-Kaiser-Stiftung war man sofort bereit, mit den Godesberger Kollegen als "Untermieter" die eigenen Räumlichkeiten zu teilen: "Ein volles Haus ist doch besser als zwei halb leere", meint Geschäftsführer Richard Blömer. Bislang sei das Bildungszentrum mit insgesamt 100 Betten zu rund 60 Prozent ausgelastet, gemeinsam mit der Karl-Arnold-Stiftung wolle man jetzt die 100 Prozent ansteuern.

 

Angst, sich mit einer zweiten ebenfalls im Bildungsbereich tätigen Einrichtung einen Konkurrenten ins Haus geholt zu haben, hat man in der Jakob-Kaiser-Stiftung nicht. "Wir haben unterschiedliche Zielgruppen", erläutert Priesnitz. Die Karl-Arnold-Stiftung sei eine auf NRW bezogene Einrichtung, die zu 60 Prozent vom Land und zu 40 Prozent vom Bund finanziert werde, während die Jakob-Kaiser-Stiftung bundesweit agiert und zu 90 Prozent auch von diesem finanziert wird. Im einen Fall kommen die Seminarteilnehmer also überwiegend aus NRW, im anderen aus dem ganzen Bundesgebiet. "Außerdem bieten wir seit jeher überwiegend Seminare unter der Woche an und die Jakob-Kaiser-Stiftung mehr am Wochenende", so Worms. Durch die Arbeit unter einem Dach hoffen beide Parteien, künftig auch Synergieeffekte nutzen zu können. "Ich bin dankbar, dass sie nicht nach Berlin geflohen sind", sagte auch Bürgermeister Peter Wirtz. "Das zeigt, dass auch in der Nähe der Bundesstadt Bonn gute politische Arbeit gemacht wird."

 

Die Stiftungen

 

Ziel und Aufgabe der Karl-Arnold-Stiftung ist es, junge und erwachsene Bürger für die Demokratie zu begeistern, politisches Wissen zu vermitteln und sie mit ihren Rechten und Pflichten in Staat und Gesellschaft vertraut zu machen. Dazu werden jedes Jahr 130 Seminare mit rund 8000 Teilnehmern abgehalten. Das Programm reicht von der Sommerakademie für Senioren über Entscheidungshilfen bei der Berufswahl für Jugendliche, Workshops zur Kommunalpolitik, politische Rhetorikkurse bis hin zu Studienfahrten. Die Teilnahme ist grundsätzlich allen Interessenten möglich und wird in der Regel als Bildungs-/Sonderurlaub anerkannt. Infos unter Tel. 02223/70060 oder im Internet unter www.Karl-Arnold-Stiftung.de

 

Die Jakob-Kaiser-Stiftung ist eine staatlich anerkannte Einrichtung der politischen und beruflichen Weiterbildung für Jugendliche und Erwachsene. Aufgabe ist es vor allem, das gesamtdeutsche sowie das europäische Bewusstsein zu stärken und zu fördern. Die Bildungsarbeit ist weitgehend in Form von Seminaren und Tagungen organisiert, die allen politisch Interessierten offen stehen. Die jährlich rund 130 Veranstaltungen finden nicht nur in Königswinter statt, sondern auch in einem Tagungshaus in Weimar. Das Adam-Stegerwald-Haus, das sich im Eigentum der Stiftung befindet, ist auch ein Seminarhotel, das allen Auswärtigen offen steht. Infos unter Tel. 02223/7060, Internet: www.jakobkaiser.de