Hans Katzer (1919-1996)

 

„Gerechtigkeit schafft Frieden“

 

Ein politisches Leben für die

soziale Marktwirtschaft

 

 

Hans Katzer gehört zu den bedeutendsten Politikern der Bundesrepublik Deutschland, der im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft eine moderne Gesellschaftspolitik gestaltet hat. Der arbeitende Mensch und das Streben nach mehr sozialer Gerechtigkeit stand im Mittelpunkt seines politischen Wirkens.

 

Hans Katzer wurde 1919 in Köln geboren, besuchte dort das Reformrealgymnasium, machte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre in der Textilindustrie und nach dem Besuch einer Textilfachschule in Mönchen-Gladbach die Kaufmannsgehilfenprüfung. Nach Arbeitsdienst und Kriegsteilnahme arbeitete er bis 1949 im Arbeitsamt Köln, ehe er 1950 als Hauptgeschäftsführer für die CDU-Sozialausschüsse tätig wurde.

 

Hans Katzer war 1945 Gründungsmitglied der CDU. Von 1969 bis1981 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU Deutschlands und von 1963-1977 Vorsitzender der Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Auch nach seinem Verzicht auf den Vorsitz der CDA im Mai 1977 blieb er geschäftsführender Vorsitzender der Jakob-Kaiser-Stiftung. In dieser Funktion hat er sich aktiv in die Bildungs- und Begegnungsarbeit im geteilten und später wiedervereinten Deutschland eingebracht. Im Oktober 1977 wurde Hans Katzer zum ersten Präsidenten der Europäischen Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer in Brüssel gewählt.

 

Hans Katzer gehörte dem Deutschen Bundestag von 1957–1980 an. Höhepunkt seines politischen Wirkens war seine Tätigkeit als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung von 1965 bis 1969. In der Zeit von 1979 bis 1982 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament und arbeitete neben Simone Veil als Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Nach der Bundestagswahl 1980 zog Hans Katzer sich aus der aktiven Bundespolitik zurück, blieb aber bis Anfang 1982 noch Vizepräsident des Europäischen Parlaments.

 

Hans Katzer war mit Elisabeth, einer Tochter von Jakob Kaiser, verheiratet und hat gemeinsam mit ihr eine Tochter.

 

Zur Erinnerung an meinen Vater

von Marietheres Kreuz-Katzer

 

Soziale Marktwirtschaft –

Zukunft in Zeiten der Globalisierung!

 

„Wer Macht auf dem Markt hat, darf nicht frei sein“!


Diese Forderung von Hans Katzer (1919-1996), einem überzeugten Anhänger der sozialen Marktwirtschaft, erhält in diesen Zeiten wirtschaftspolitischer Turbulenzen eine besondere Aktualität.
Die Finanzkrise, die uns in bisher nicht bekanntem Ausmaß seit September 2008 erschüttert und mittlerweile eine Welt-Wirtschaftskrise nach sich gezogen hat, führt zwangsläufig zur Frage: ist unser Wirtschaftssystem für die (Fehl-) Entwicklung verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich? Die Antwort lautet eindeutig: Ja.

 

Der Glaube an den freien Markt, der es schon richten wird, mangelndes ethisches Verantwortungsgefühl der Handelnden und das Fehlen von Kontrollinstanzen bzw. ungenügende Kompetenzen der - oftmals staatlichen - Vertreter in diesen Gremien führen zu Entgleisungen mit verheerenden Folgen für die gesamte Weltwirtschaft und für jeden Einzelnen von uns.
Das haben die leichtfertige Kreditvergabe im Immobilienbereich der USA ebenso wie die riskanten Transaktionen der WestLB bewiesen.
Anleger haben ihr Vermögen verloren, Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz.

Wer Macht auf dem Markt hat, darf eben nicht frei sein, auch und gerade wenn sich die Gesellschaft für eine freie Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb entschieden hat.


Wirtschafts- und Finanzwelt in Zeiten der Globalisierung bedürfen eines Ordnungsrahmens, der global verankert ist.
Diesen für die Gestaltung einer gerechten Weltwirtschaftsordnung dringend notwendigen Ordnungsrahmen schafft das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft mit internationalen Kontrollinstitutionen.

In allen Medien sieht, hört und liest man vom Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft: von Bundeskanzlerin Angela Merkel (z.B. Regierungserklärung vom 7.10.2008), über den luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker bis zu den Kirchen.
Erzbischof Reinhard Marx sorgte für Aufregung mit seinem Buch “Das Kapital“, die Denkschrift der EKD vom Juli 2008 „Unter-nehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“ bekannte sich ebenfalls zur Sozialen Marktwirtschaft.

 

Das Modell der Sozialen Marktwirtschaft, für das sich Wissenschaftler (Müller-Armack, der Freiburger Kreis um Eucken, Lampe u.a.), Politiker (Ludwig Erhard u.a.), Theologen (auf der Basis der frühen Sozialenzykliken Rerum Novarum, Quadragesimo anno z.B. Oswald von Nell-Breuning) und Gewerkschafter (Hans Böckler-Einheitsgewerkschaft) in der Phase des Wiederaufbaus der Bundesrepublik einsetzten, war die erfolgreiche Lösung für die (west-) deutsche Wirtschaft nach dem Ruin infolge des zweiten Weltkriegs (Wirtschaftswunder).


Das Partnerschaftskonzept ging auf und führte zu dauerhaften sozialen Frieden in Deutschland mit Hilfe verantwortungsbewusster Gewerkschaften und Unternehmen (Tarifautonomie, Mitbestimmung), die bei aller Meinungsverschiedenheit immer wieder Einigung erzielten.

Der demokratische Rechtsstaat mit einer sozial gerechten marktwirtschaftlichen Ordnung war die Antwort auf das zutiefst unsittliche Regime der menschenverachtenden und Menschen vernichtenden Hitlerdiktatur, von der vor allem auch die christlichen Politiker der ersten Stunde überzeugt waren.


Männer wie Jakob Kaiser, Johannes Albers und Karl Arnold kamen aus dem Widerstand und waren selbst verfolgt worden.
Das Welt- und Menschenbild dieser Politiker war geprägt durch die Erfahrungen dieser schrecklichen Zeit und durch die katholische Soziallehre bzw. die evangelischen Sozialethik mit den Elementen der Personalität, die den Menschen als Gottes Ebenbild versteht, Solidarität und Subsidiarität.
An diesen drei Kriterien muss sich eine sozial gerechte Ordnung m.E. auch heute messen lassen.

 

Die Abkehr der Menschen in Osteuropa vom sozialistischen Gesellschaftsmodell mit staatlicher Planwirtschaft 1989 ist unter anderem im Zusammenhang mit der Sogwirkung eines so genannten Dritten Weges zu sehen. Dieser dritte Weg verbindet Freiheit und Gerechtigkeit und überlässt den Markt nicht einfach sich selbst.
Im Westen unseres Vaterlandes hat er zur Teilhabe und zu wirtschaftlichem Aufschwung für die große Mehrheit geführt.

 

Hans Katzer hat im Blick auf eine für ihn niemals illusionäre sondern immer höchstwahrscheinliche Wiedervereinigung völlig zu Recht Zeit seines Lebens auf die Faszination „unseres“ Gesellschaftsmodells gesetzt.

Die für Deutschland - auch für das wiedervereinte Deutschland - richtige Entscheidung für die Soziale Marktwirtschaft ist Deutschlands Angebot an die Welt, ist unser Lösungsvorschlag für eine erfolgreiche und gerechte Weltwirtschaftsordnung.


Allerdings müssen wir durch Konkretisierung verhindern, dass der Begriff Soziale Marktwirtschaft zur Leerformel verkommt.
In allen gesellschaftlichen Bereichen muss an der Weiterentwicklung und Anpassung des Modells für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung gearbeitet werden. Dabei sind folgende Grundsätze zu beachten:

 

  1. Ethisches Handeln der Marktteilnehmer ist unverzichtbar.
  2. Dies muss durch Bildung und Erziehung in Elternhäusern, Kindergärten, Schulen Ausbildungsplätzen frühzeitig vermittelt werden.
  3. Personalität – Solidarität - Subsidiarität sind Handlungsrichtlinien.
    Dahinter steht ein christlich geprägtes Menschenbild, das Respekt vor den Menschen und der Schöpfung und generationenübergreifendes verantwortungsvolles Handeln beinhaltet.
  4. Die Politik muss den Begriff des Gemeinwohls als Verpflichtung für ihr Handeln und nicht nur verbal aufnehmen.
  5. Marktbewegungen müssen transparent sein.
  6. Kontroll- und Sanktionsinstanzen müssen nicht nur auf nationaler Ebene funktionieren, sondern auch auf europäischer und globaler Ebene (Weltwirtschaftsgipfel). Kompetenz aller Teilnehmer ist unverzichtbar.
  7. Nicht nur die Industrieländer sondern ebenso die Schwellenländer und Entwicklungsländer sind gleichberechtigt einzubeziehen. Auch sie müssen sich ihrer Verantwortung stellen.
  8. Drängende Fragen - abgesehen von der gegenwärtigen Krise - stellen sich im Zusammenhang mit der Problematik der Flüchtlings-und Migrationsströme, der Rohstoffmärkte und ihrer Kontrolle (z.B. Wasser, Energie) und nach wie vor des Klimaschutzes und der Ökologie. Sie gehören auf die Agenda der internationalen Gremien.
  9.  

Soziale Marktwirtschaft in Zeiten globaler Transaktionen mit international anerkannt agierenden Institutionen, die bei Verstößen auch Sanktionen erlassen können und müssen, sollte der Rahmen sein, innerhalb dessen konkreten Beschlüsse (etwa zur Regulierung der Finanzmärkte) zu fassen sind. Das bedeutet für die Beteiligten sicherlich immer wieder mühsame Suche nach Kompromisslösungen.


Der Vorschlag unserer Bundeskanzlerin, einen UN-Wirtschaftsrat einzusetzen, der eine stärkere Rolle als der bestehende UN-Wirtschafts-und Sozialrat ECOSOC spielen soll, sowie eine UN -Wirtschaftscharta für nachhaltiges Wirtschaften zu beschließen, verdient unsere volle Unterstützung. Schwierigkeiten bei der Umsetzung wird es geben.
Bei allen Regulierungs­maßnahmen müssen wir nämlich darauf achten, dass Regulierung und Deregulierung im richtigen Maß erfolgen.


Je mehr wir den Staat zur Hilfe rufen, desto größer wird die Gefahr, dass die Soziale Marktwirtschaft, unter zu starken staatlichen Einfluss gerät.

Hinzu kommt, dass für unsere westliche Gesellschaftsvorstellung Demokratie und Rechtstaatlichkeit weitere unverzichtbare Pfeiler neben der sozialen Ordnung des Marktes sind. Ob dies von anderen Gesellschaften so akzeptiert wird, bleibt dahingestellt.


Es liegt an uns, dafür in der Welt überzeugend zu werben.

Unsere Generation schuldet den Vorkämpfern der sozialen Marktwirtschaft hohen Respekt. Wir waren und sind die Nutznießer dieser Ordnung.

Wir stehen in der Pflicht, diesen Baustein einer gerechten Ordnung aufzunehmen und auch auf europäischer und globaler Ebene das bewährte Modell der Sozialen Marktwirtschaft politisch durchzusetzen.

 

„Gerechtigkeit schafft Frieden“- nach dieser Überzeugung gestaltete Hans Katzer, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden wäre, seine Politik.


„Gerechtigkeit schafft Frieden“ sollte auch unsere Maxime sein!

Jakob-Kaiser-Stiftung e.V.

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